Das Amphitheater von Pergamon – Türkei

Projekt: Das Amphitheater von Pergamon
Projektleitung: Prof. Dr.-Ing. Thekla Schulz-Brize,
Wissenschaftliche Bearbeitung: Ihsan Yeneroglu M.A.
Kooperationspartner: Deutsches Archäologisches Institut Abteilung Istanbul
Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft


Panorama-Luftbild, Amphitheater und seiner Umgebung, Pergamonarchiv des DAI, Istanbul – Berlin (I. Yeneroglu)

Das Amphitheater von Pergamon ist ein Teilprojekt des „Die Transformation der Mikroregion Pergamon zwischen Hellenismus und Römischer Kaiserzeit (TransPergMikro)“ Projekts, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert wird. Ziel dieses Projektes ist die Dokumentation und Analyse des Amphitheaters, das ein Schlüsselbauwerk für die Transformation der Stadtentwicklung während der römischen Kaiserzeit darstellt. Seit 2019 wird das Amphitheater von einem internationalen und interdisziplinären Team untersucht. Die Architekturdokumentation erfolgt mithilfe archäologischer Ausgrabungen und der Structure from Motion Technik.


Luftbild vom Amphitheater und seiner Umgebung, Pergamonarchiv des DAI, Istanbul – Berlin (I. Yeneroglu)

Das Amphitheater von Pergamon sowie auch das Theater und das Stadion befinden sich auf einem Hügel im Nordwesten von Bergama (Izmir-Türkei), dem heutigen Musalla Mezarlık Hügel. Das Gebäude liegt zwischen einem Berghang und dem Westhang dieses Hügels. Diese Lage des Amphitheaters am Musalla Mezarlık Hügel bildete zusammen mit dem Theater und dem Stadion ein räumliches und auch funktionales Ensemble im Nordwesten der römischen Stadt von Pergamon. Einer der Hauptgründe für die Wahl dieses Standortes bei der Errichtung des Amphitheaters und der anderen Großbauten war die Einsparung einer großen Menge an Baukosten. Die Anordnung der drei großen Bauwerke um einen Hügel macht diesen Bereich zudem vergleichbar mit dem Palatin in Rom.


Luftbild vom Amphitheater, Südwestteil, Pergamonarchiv des DAI, Istanbul – Berlin (I. Yeneroglu)

In Anatolien gibt es noch drei weitere bekannte Amphitheater: Kyzikos (Balıkesir-Erdek), Anazarbos (Adana- Kozan) und Mastaura (Aydın-Nazilli-Bozyurt). Das Amphitheater von Pergamon ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts Gegenstand wissenschaftlicher Forschungen. Charles Félix Marie Textier fertigte als erster Zeichnungen des Amphitheaters an. Diese blieben jedoch ungenau und stellten das Amphitheater oval und nicht rund dar. Erste von Carl Humann geplante Ausgrabungen im Jahre 1885 konnten aufgrund zu hoher Kostenvorgaben der Grundstücksbesitzer nicht stattfinden. Des weiteren forschten Richard Bonn und im Jahre 1908 Paul Schazmann an dem Amphitheater. Paul Schazmann lieferte detaillierte und steingerechte Aufnahmen, die allerdings noch nicht in Verbindung mit einer ausführlichen Baubeschreibung und bauforscherischen Untersuchungen publiziert wurden. Während der Kampagnen 2019 und 2020 wurden als erste systematische Untersuchung im Amphitheater eine umfassende und detaillierte Architekturdokumentation mit Schnittzeichnungen, Substruktionsbuch, Schadenskartierung und Grundriss erstellt.

In der Römerzeit waren Amphitheater hauptsächlich Schauplätze von Munera (Gladiatorenkämpfe) und Venationes (Tierkämpfe). Durch das zwischen zwei Hängen errichtete Amphitheater in Pergamon fließt ein Bach, der unter einem gewölbten Wasserkanal verläuft, sodass davon ausgegangen werden kann, dass in der Arena möglicherweise Naumachien (Wasserschlachten) oder Wasserspiele stattgefunden haben. Mit den jüngsten Forschungen konnten neue Erkenntnisse über Naumachien gewonnen werden. Nach den Reinigungsarbeiten in den Kampagnen 2018 und 2019 wurde eine Wand- und Bodenkonstruktion auf der Arenaseite entdeckt, bei der es sich möglicherweise um die Überreste des Bachführers handelt. Dieser befindet sich fast 2 m unter dem Boden der Arena mit einer Vorrichtung zum Wasseraufstauen. Auch wenn es nicht eindeutig ist, wozu diese Konstruktion diente, könnte diese Entdeckung ein Beweis für eine Naumachie sein.

Eine Fotogalerie mit Impressionen der seit 2019 durchgeführten Arbeiten finden Sie unten.