Der Hekatetempel von Lagina – Türkei

Bauuntersuchung des Weithallentempels

 

Projekt: Bauuntersuchung des Hekatetempels
Projektleitung: Prof. Dr. Thekla Schulz-Brize
Wissenschaftliche Bearbeitung: Claudia Mächler, Thomas Palugyay, Ann-Cristin Stolz
Kooperationspartner: Pamukkale Universität
Förderung: Deutsche Forschungs Gemeinschaft

 


Giebel des Hekatetempels (T. Schulz-Brize)

Ein Forschungsschwerpunkt des Fachgebiets Historische Bauforschung und Baudenkmalpflege sind Tempel mit einer erweiterten Ringhalle, die sog. Pseudodipteroi. Die Erforschung dieser Tempel ist aufgrund der großen Spannweiten des Gebälks und der begehbaren Dachräume baukonstruktiv von besonderem Interesse.

Die Pseudodipteroi weisen einige gemeinsame Merkmale auf. Die bisherigen Forschungen legen aber den Schluss nahe, dass sie jeweils in unterschiedlicher Weise ausgeführt wurden. In den letzten Jahren wurden bereits mehrere Tempel dieses Typs von der Fachgebietsleiterin und ihrem Team intensiv untersucht. Dabei handelt es sich um den Zeustempel in Aizanoi, den Tempel des Apollon Smintheios in der Troas und den Aphroditetempel in Messa auf Lesbos.


Hekatetempel in Lagina (A. Stolz)

Der Hekatetempel von Lagina in der Westtürkei ist mit nur 24,79 m auf 18,07 m (OK Stufenbau) der kleinste Tempel dieses Typs. Im 3. Jh. v. Chr. wurde der Kernbau des Tempels mit Cella und Vorhalle errichtet. Von diesem sind noch die unteren Mauerzüge und die Anten mit den Sockeln und den vier Antenkapitellen erhalten. (Diese wurden im Rahmen einer Abschlussarbeit von Thomas Palugyay bearbeitet.) Im 1. Jh. v. Chr. wurde der Tempel dann nachträglich mit einer Ringhalle umgeben. Um diese Erweiterung ebenfalls überdachen zu können, wurden in diesem Zuge auch ein neues Gebälk und ein neuer Dachstuhl konstruiert.


Säulenschaft mit Ritzungen und Einarbeitungen auf den Lagerflächen (Zeichnung A. Stolz)

Der Tempel wurde von einem Erdbeben zerstört, durch das auch die gesamte Pflasterung verworfen wurde. Die Bauteile, die um den Tempel in Sturzlage gefunden wurden, erlauben eine detaillierte Rekonstruktion des gesamten Aufbaus. Besonders bemerkenswert ist, dass beide Giebel mit jeweils einer Erscheinungstür erhalten sind. Der Tempel verfügte über zwei umlaufende Figurenfriese, von denen einer die Säulenstellung, der andere die Cellawände bekrönte. Diese Friese sind im Verhältnis zur Grundfläche des Tempels ungewöhnlich hoch und bilden so eine Art Kniestock. Auf diese Weise war trotz der geringen Dachneigung des Pfettendaches die Begehbarkeit des Dachraumes gewährleistet.


Erdbebenbedingte Verwerfung der Pflasterung in Lagina (T. Schulz-Brize)


Erdbebenbedingte Verwerfung in der Krepis des Hekatetempels (A. Stolz)

Eine weitere Besonderheit stellen die Oberflächen der Wände dar. Nach außen hin zeigen sie zahlreiche Inschriften, während sie an den Innenseiten mit unregelmäßig angeordneten Stiftlöchern versehen wurden, in denen Verzierungen aus Bronze eingestiftet waren. Die Inschriften und Stiftlöcher erlauben Überlegungen zum Kultbetrieb und zu der Bedeutung des Tempels. Der Pseudodipteros und die zugehörigen Bauglieder wurden und werden in insgesamt drei Sommerkampagnen in Kooperation mit Prof. Bilal Soğῡt von der Pamukkale Universität untersucht. Dieses Projekt wird großzügig von der DFG finanziert.

 

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