Stadtforschung im Mittleren Osten

Damaskus, Suq as-Sagha, Stadtkernarchäologie und Bauforschung, seit 1999

DamaskusSuq_as-Sagha_Ch-Krauskopf2000__quer_01Präsentation des Grabungsplatzes, denkmalpflegerisches Konzept, Vorbereitung und Durchführung der Arbeiten vor Ort
Dipl.-Ing. (FH) Björn Laude; Dipl.-Ing. Marco Tami; Christof Krauskopf M.A.; Prof. Dr.-Ing. Dorothée Sack; In Zusammenarbeit mit der Generaldirektion der Syrischen Antikenverwaltung

Aufarbeitung der Stadtkerngrabung auf der Südseite der Großen Moschee
Christof Krauskopf M.A.; Dipl.-Ing. Barbara Perlich; Dr. des Stefan Weber; Prof. Dr.-Ing. Dorothée Sack; In Zusammenarbeit mit der Generaldirektion der Syrischen Antikenverwaltung

Die Altstadt von Damaskus mit ihrem Gewirr von engen Gassen bietet so wie viele noch weitgehend intakte und bewohnte Innenstädte wenig Raum für großflächige archäologische Untersuchungen. Der Brand des spätosmanischen Gebäudes des Gold-Suq südlich der Großen Moschee im Jahre 1959 machte Ausgrabungsarbeiten möglich, die immerhin eine Fläche von 450 m2 umfassen und einen Einblick in die Entwicklung des Altstadtareals seit der römischen Kaiserzeit geben.

Zuschütten oder Präsentieren?
Nach der Ausgrabung stellt sich nun natürlich die Frage des weiteren Umgangs mit einem solchen Platz. In einer dicht bebauten Innenstadt muss das Areal genutzt werden. Soll man die archäologischen Quellen beseitigen und das Gelände neu bebauen? Oder soll man es zuschütten und so unter neuer Bebauung konservieren? Die Syrische Antikenverwaltung hat sich entschlossen, die Befunde zu erhalten und der Öffentlichkeit als Freilichtmuseum zugänglich zu machen. Dazu müssen zunächst Probleme der Befunderhaltung gelöst werden, da die Präsentation innerhalb kürzester Zeit weiter verfallen würde und nach einigen Jahren mit Sicherheit völlig zerstört wäre. Außerdem muss der Besucher das Gelände ohne Gefahren begehen können. Sind diese Probleme gelöst, muss ein didaktisches Konzept verwirklicht werden, das es dem Besucher ermöglicht, die recht komplizierte Situation verstehen und so einen Abriss der Geschichte von Damaskus erleben zu können.

Christof Krauskopf (in:  D. Sack et al. 5 Jahre Aufbaustudium Denkmalpflege  an der TU Berlin (Berlin 2004), 28).

Publikationen:
• Ch. Krauskopf, Stadtkernarchäologie im Suq as-Sagha in Damaskus. Ein Vorbericht. Damaszener Mitteilungen 12, 2000, 389-395.

Abschlussarbeit TU Berlin/ASD
Björn Laude – Marco Tami, Damaskus/ Syrien, Suq as-Sagha Sicherung und Präsentation eines Grabungsgeländes (TU Berlin, ASD 2. Jg., abgeschlossen 2001).

siehe auch:
•  Thomas Haller – Musab Shamma, Damaskus, Syrien: Bait Sarji und Bait Yazi Bauforschung und Sanierungsvorplanung (TU Berlin, MSD 2006-08, abgeschlossen 2008).

Das Viertel Zokak al-Blat in Beirut. Geschichte, Struktur und Wandel eines zentrumsnahen Wohnquartiers. Ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, seit 2001

 

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Geschichte, Struktur und Wandel eines zentrumnahen Wohnquartiers aus osmanischer Zeit
Ralph Bodenstein M.A.; Anne Mollenhauer M.A.; Prof. Dr.-Ing. Dorothée Sack; In Zusammenarbeit mit dem Institut für Geographie der Universität Heidelberg und der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft Beirut

Das Viertel
Zokok el-Blat, das Viertel in dem das Orient-Institut der deutschen Morgenländischen Gesellschaft seinen Sitz hat, ist eines der ersten Stadterweiterungsgebiete Beiruts. Es liegt im Südwesten des Stadtzentrums und zeichnet sich durch eine extrem heterogene Einwohnerschaft, zunehmende bauliche Veränderungen und hohes Migrationsaufkommen aus. Innerhalb des Stadtgefüges von Beirut besitzt das Viertel Zokak el-Blat eine besondere Stellung, die historisch durch seinen starken Zentrumsbezug, zeitgenössisch durch die Auswirkungen der unmittelbaren Nähe der “grünen Linie” (die das Viertel zur Zeit des Bürgerkrieges in Ost- und Westbeirut teilte) und aktuell durch seine unmittelbare Nähe zum derzeit umfassend im Wiederaufbau begriffenen Stadtzentrum bedingt ist. Bereits in osmanischer Zeit besaß Zokak el-Blat einen öffentlicheren Charakter als andere Viertel der Stadt. Hier bauten sich die wohlhabenden Händler und Notabeln ihre Wohnhäuser und ließen sich eine Vielzahl von Konsulaten, Schulen, religiösen Stiftungen und den ersten Druckereien, die sich hier nieder.

Während der französischen Mandatszeit wurde das Straßenbild zunehmend durch eine Blockrandbebauung mit bis zu sechsgeschossigen Apartmenthäusern verdichtet. Währenddessen blieb das Viertel von den weiteren Phasen der Stadtausdehnung bis in die 60er Jahre dieses Jahrhunderts weitgehend unberührt.

Es behielt seinen Charakter als Wohnviertel der lokalen urbanen Eliten und des Mittelstandes. Während der Kriegsjahre wurde Zokak el-Blat aufgrund seiner Nähe zur “Grünen Linie”, mehrfach zum Hauptschauplatz der Kämpfe und zum Durchzugsgebiet der unterschiedlichen Milizen. Dies hatte mehrere Abwanderungswellen und eine konfessionelle Entmischung zur Folge, wohingegen das Viertel umgekehrt, je nach Lokalität und Intensität der Kämpfe, als Refugium für Flüchtlinge, besonders aus dem Südlibanon, fungierte.

Das Projekt
Antragsteller und Projektbetreuer sind die ehemalige Direktorin des Orient-Instituts der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft in Beirut, Prof. Dr. A.Neuwirth (FU Berlin), Prof. Dr.-Ing. D.Sack (TU Berlin) und Prof. Dr. H.Gebhardt (Universität Heidelberg). In insgesamt sechs Teilprojekten werden von Wissenschaftler/innen unterschiedlicher Fachgebiete Fragen der Baugeschichte und historischen Sozialstruktur, des früheren Zusammenlebens unterschiedlicher Religions- und Sozialgruppen, aber auch der Situation während der Milizenherrschaft im libanesischen Bürgerkrieg sowie Probleme der    Stadterneuerung im Kontext des aktuellen Immobilienbooms in der libanesischen Hauptstadt untersucht.

Ziel ist es, in den historischen Projekten Aussagen zu erhaltenswerter Bausubstanz und Denkmalschutz im Libanon zu erarbeiten, während in den gegenwartsbezogenen Projekten Akteure, Konfliktfelder und Interaktionen zwischen den Bewohnern verschiedener Religions- und Sozialgruppen untersucht werden, um Möglichkeiten (und Grenzen) der Weiterentwicklung des Viertels und eines konfliktarmen Zusammenlebens der Konfessionen nach dem Bürgerkrieg auszuloten.

DIE TEILPROJEKTE

Städtebau (Ralph Bodenstein)
Ziel des Teilprojekts ist die Rekonstruktion der stadtbaugeschichtlichen Entwicklung. Hier sind besonders die Grundeigentumsverhältnisse zu behandeln, besonders die Akkumulation und spätere Aufsplitterung von Grundeigentum in den Händen bestimmter Institutionen und Familien. Aus Interviews, historischen

Stadtpläne und der Auswertung der Grundbücher lässt sich auf eine prinzipiell zielgerichtete und konfessionsbezogene Eigentumspolitik der Institutionen schließen, die sich jedoch im Zuge der Entwicklung der letzten Jahrzehnte aufgeweicht hat. Ein ähnlicher Auflösungsprozess scheint sich im historisch durch

maronitische Familien dominierten Bereich im Nordwesten des Viertels nachweisen zu lassen, wo Immobilien, die sich über ein Jahrhundert hinweg in Familienbesitz befanden, von südlibanesischen Flüchtlingen besetzt oder an sunnitische oder schiitische Investoren verkauft wurden.

Baugeschichte (Anne Mollenhauer)
In osmanischer Zeit zeichneten herrschaftliche, ziegelgedeckte Wohnhäuser, die in Gärten lagen, das Viertel aus. Den Grundriss der Häuser prägte eine mittige Halle, die auch das Zentrum des Familienlebens bildete. Große, dreibogige Fenster schmückten die Fassade. In der Mandatszeit und den ersten Jahren nach der

Unabhängigkeit wurde die Bebauung des Viertels durch mehrgeschossige Wohnhäuser mit separaten Wohneinheiten in jedem Geschoss verdichtet.

Trotzdem wird der Grundriss weiterhin durch eine Mittelhalle geprägt, die die Wohnung in deutlich unterschiedene Wohn-, Schlaf- und Wirtschaftsbereiche gliedert. Durch die fehlende Bauaufsicht in den Jahren während und nach dem Bürgerkrieg entstehen unkontrolliert zahlreiche Hochhäuser, die das einst herrschaftliche Aussehen des Viertel grundlegend verändern und bis heute prägen.

Geschichte (Jens Hanssen)
Der Libanesische Bürgerkrieg im Jahr 1860 leitete eine neue Dimension der Urbanisierung und der Osmanisierung der Stadt Beirut ein. Diese wurde von der Bildung eines neuen lokalen, spezifisch urbanen Bewusstseins insbesondere der in Zokak el-Blat ansässigen Intellektuellen begleitet. Im Jahre 1863 eröffnete hier Butrus al-Bustani eine überkonfessionelle Schule, die al-Madrasa al-Wataniyya. Hier wurden mehrere Generationen von Schülern “zeitgemäß”, d.h. sprachlich und wissenschaftlich orientiert, erzogen. In der Folgezeit avancierte das Viertel zu einem regionalen Zentrum moderner arabischer Erziehung und es siedelten sich weitere Schulen, aber auch Konsulate, Journalisten und Ärzte im Quartier an. Das Viertel entwickelte sich zu einem konfessionell gemischten Stadtquartier, das als eine Schmiede modern- emanzipatorischen Denkens der Zeit um 1860 betrachtet werden kann.

Soziologie (Bernhard Hillenkamp)
Während des Bürgerkriegs veränderte sich die Sozialstruktur zwischen Ost- und Westbeirut drastisch. Das ehemals konfessionell gemischte Viertel Zokak el-Blat entwickelte sich beispielsweise zu einem homogen muslimischen Viertel, in dem nur noch wenige Christen leben. Aufgrund der Nähe zur Demarkationslinie verlor das Viertel seine wohlhabende Einwohnerschaft. Vornehmlich schiitische Flüchtlinge zogen in die herrschaftlichen Häuser. Die traditionelle Klientelstruktur der Gesellschaft kollabierte und Milizen und ihre Führer übernahmen die wichtige Positionen bei der Organisation politischen und sozialen öffentlichen Lebens. Die Einwohner schlossen sich den Milizen an, um auf diese Weise repräsentiert zu werden und Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen zu erhalten.

Der Erhalt historischer Bausubstanz
Die historische Bausubstanz wird in den perizentralen Vierteln Beiruts von osmanischen und mandatszeitlichen Wohnhäusern geprägt, welche hier als erste Stadterweiterungen außerhalb der Stadtmauern zwischen 1840 und 1944 errichtet wurden. Nach dem Ende des Bürgerkriegs 1990 führten die rasch ansteigenden Grundstückspreise in der Nachbarschaft des wieder aufgebauten Stadtzentrums dazu, dass diese Gebäude verstärkt abgerissen und durch ökonomisch lukrative Apartmenthochhäuser ersetzt wurden. Denkmalschützer und in NGO’s organisierte Gruppen sehen in den alten Gebäuden ein wichtiges Potential für die Aufwertung des Stadtviertels und ein schützenswertes kulturelles Erbe. Durch Öffentlichkeitsarbeit, Demonstrationen und das Erstellen von Studien wurde versucht, dem Abriss entgegen zu wirken. Staatliche Akteure nehmen bisher eine indifferente Rolle ein und konnten bislang keine gesetzliche Grundlage für den staatlichen Schutz historischer Gebäude auf den Weg bringen. Modifiziert und kompliziert wird der Konflikt um die zukünftige Raumnutzung in Zokak el-Blat durch weitere Akteure und Problemfelder, wie z. B. Das Flüchtlingsproblem, komplizierte Erbregelungen, Korruption und unklare Zuständigkeiten bei den staatlichen Akteuren.

Ethnologie (Friederike Stolleis)
Die Bewohner Zokak el-Blats bildeten zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine sozioökonomisch weitgehend homogene Gruppe bei gleichzeitiger konfessioneller Heterogenität. Im Viertel lebten Händler und Geschäftsinhaber, Muslime und Christen, aus dem multireligiösen Stadtzentrum sowie Europäer, Armenier und Kurden. Seit den sechziger Jahren hielten verarmte Immigranten und Flüchtlinge Einzug, und das Gebiet wurde zu einem Wohngebiet der unteren Mittelklasse. Der Bürgerkrieg führte zu einer konfessionellen Entmischung des Viertels, einer Dominanz der Muslime und zugleich einer deutliche Zunahme schiitischer Migranten. Ziel des ethnologischen Teilprojekts ist, die demographischen Veränderungen innerhalb des Viertels nachzuzeichnen und der Frage des Zusammenlebens der verschiedenen Gruppen heute, zwölf Jahre nach Kriegsende, nachzugehen.

Das Geographische Informationssystem (Oliver Kögler)
Für das Gesamtprojekt wird ein Geographisches Informationssystem (GIS) angefertigt. Grundlegend hierfür war zunächst die Erstellung einer aktuellen Karte der Gebäude und Straßenzüge des Stadtviertels anhand jüngerer Karten und Luftbilder. Weiterhin wurden zu den einzelnen Gebäuden zahlreiche Informationen aufgenommen (Baualter, Bauzustand ele,), die sich nun als thematische Karten darstellen lassen. Zusätzlich wurden die Forschungsergebnisse in das HTML-Format transformiert, so dass nicht nur die mit dem GIS erstellten Karten, sondern auch eigene Texte und Abbildungen interaktiv erschlossen werden können.

Anne Mollenhauer (in: D. Sack et al, 5 Jahre Aufbaustudium an der TU Berlin (Berlin 2004), 30).

Links:
http://www.geschkult.fu-berlin.de/e/semiarab/arabistik/projekte/abgeschlossene_projekte/projekte_viertel.html

Publikationen:

Ralph Bodenstein, Housing the Foreign: A European’s Exotic Home in Late Nineteenth-Century Beirut, in: Thomas Philipp, Jens Hanssen, Stefan Weber (Hrsg.): The Empire in the City. Arab Provincial Capitals in the Late Ottoman Empire, Beiruter Texte und Studien 88 (Beirut – Würzburg 2002), 105-127.

Hans Gebhardt – Dorothée Sack – Ralph Bodenstein – Andreas Fritz – Jens Hanssen – Bernhard Hillenkamp – Oliver Kögler – Anne Mollenhauer – Friederike Stolleis, History, Space and Social Conflict in Beirut. The quarter of Zokak el-Blat (Beirut 2005).

Abgeschlossene Dissertationen:
Ralph Bodenstein, Westernizing/Orientalising/Modernizing the House? Developments of the Domestic Architecture in Beirut between 1860-1920 (TU Berlin, Gutachter: D. Sack, TU Berlin/ St. Wild, Univ. Bonn, abgeschlossen 2007).

Abschlussarbeiten:
Anne Mollenhauer, Das Quartier Zuqaq al-Blat in Beirut (Uni Bamberg, Aufbaustudium Denkmalpflege, abgeschlossen 1997).

Ralph Bodenstein, Beirut/ Libanon. Qasr Ziade. Ein Wohnhaus des späten 19. Jahrhunderts Bauhistorische Untersuchung (TU Berlin, ASD 3. Jg., abgeschlossen 2002).

•  Karla Börner, Beirut/ Zokak al-Blat; Libanon. Mandatszeitliche Wohnhaus-Architektur im Quartier Zokak al-Blat. Bauhistorische Untersuchung (TU Berlin, ASD 4. Jg., abgeschlossen 2003).

Materielle Kultur und Gesellschaft – Akteure und ihre Lebenswelten. Die Transformation der Stadt Tripoli/Libanon während des „langen“19. Jahrhunderts, 2006-2010

 

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Ein interdisziplinäres Forschungsprojekt zur Stadt Tripoli, gefördert durch die DFG, G. Krämer (FU Berlin), D. Sack (TU Berlin), S. Weber (London/OIB Beirut), U. Wulf-Rheidt (DAI Berlin), weitere Projektbeteiligte: Dr.-Ing. des. Karla Börner; Dipl.-Ing. Juren Meister; Christian Sassmannshausen M.A.; Kooperation mit dem Museum für Islamische Kunst Berlin, Staatliche Museen Berlin und dem Orient Institut der DMG Beirut.

Das Projekt
Ziel des Projektes, das einen akteursbezogenen, mikrohistorischen Ansatz verfolgt, ist die Rekonstruktion komplexer Transformationsprozesse der tripolitanischen Gesellschaft in ihren Lebensräumen während des „langen“ 19. Jahrhunderts [E. J. E. Hobsbawm]. Tripoli bietet eine dichte Quellenlage, beruhend auf einem annähernd vollständigen Register osmanischer Gerichtsakten sowie einer ungewöhnlich intakten Altstadt mit zahlreichen historischen Wohn- und Handelsbauten. Auf dieser Grundlage werden die gesellschaftlichen Veränderungen und die damit einhergehenden Wandlungsprozesse der städtischen Struktur und Architektur rekonstruiert und analysiert.

Im Rahmen des Projekts werden Fallbeispiele einzelner  Akteure in ihren Lebenswelten (Wohnen, Arbeiten und Öffentliche Sphäre) durch eine Zusammenführung sozial- und kulturhistorischer sowie bauforscherischer Methoden untersucht. Die Zusammenschau der einzelnen sich ergänzenden Lebenswelten ermöglicht eine „dichte“ Beschreibung des privaten, beruflichen sowie öffentlichen Lebens eines Akteurs sowie der sich in diesen Bereichen vollziehenden Veränderungen.

Die Mitglieder der Forschergruppe (Projektleiter Dr. S. Weber)  verbinden durch ihre jeweiligen Ausrichtungen Stadtbau- und Bau- sowie Sozial- und Kulturgeschichte miteinander.

Karla Börner/TU Berlin: Forschungsschwerpunkt Wohnen
Der Lebensraum Wohnen beschreibt die Gestalt, Organisation und Repräsentationsformen eines vorrangig privaten, zum Teil aber auch semi-pri-vaten Raumes sowie die Schnittstellen und Übergänge zu den anderen Lebensräumen. Ziel dieser Untersuchung ist es, die jeweiligen Akteursfamilien in ihrem Wohnumfeld zu identifizieren und zu analysieren. Die zugrunde liegende Arbeitshypothese besagt, dass die Umgestaltung von Wohnhäusern veränderte politische, ökonomische, kulturelle und technologische Einflüsse widerspiegeln.

Juren Meister/DAI Berlin: Forschungsschwerpunkt Arbeiten
Im Rahmen dieses Forschungsschwerpunktes sollen die Akteure in ihrem Arbeitsleben (Produktion, Handel, Dienstleistung) analysiert werden. Ausgangspunkt der Untersuchung bilden die drei räumlichen Schwerpunkte städtischer Wirtschaft: der Bazar in der Altstadt Tripolis, die Gebiete nördlich und nordwestlich der Altstadt mit den Produktions- und Großhandelsbauten sowie die neuen Geschäftsstraßen in der Neustadt (moderne Warenhäuser in der „Tanzimat-City“).

Christian Sassmannshausen/FU Berlin: Forschungsschwerpunkt Soziale Praxis
Dieser Schwerpunkt widmet sich mit einem mikrohistorischen Ansatz der Analyse städtischer Demografie und sozialer Ordnung. Ziel ist es, die Akteure vor ihrem sozioökonomischen Hintergrund zu identifizieren, um so sowohl quantitativ als auch qualitativ Aussagen zur demografischen Entwicklung Tripolis zu gewinnen. Deshalb werden die Konstitution grundlegender sozialer Einheiten (z.B. Familie, Haushalte) sowie Formen und Wandel des sozialen Zusammenlebens (Heirat, Scheidung, Sterben und Erben) untersucht. Grundlage dieser Erhebungen bilden die betreffenden Gerichtsakten und der Viertelzensus.

Links:
freunde-islamische-kunst-pergamonmuseum.de/app/download/5780859307/Tripoli_poster_engl.pdf

Abgeschlossene Dissertationen:
Karla Börner, Wohnhausarchitektur in der Altstadt von Tripoli/ Libanon. Bauhistorische Untersuchungen von Wohnhäusern in ihrem stadträumlichen, zeitgeschichtlichen und familienbezogenen Kontext (TU-Berlin, Gutachter D. Sack/J. Cramer, abgeschlossen 2010).

Abschlussarbeiten:
Ana Izquierdo Ruiz – Daniel Naumann, Tripoli/ Libanon. Suq Haraj Quartiererhebung und Bauuntersuchung (TU Berlin, ASD 5. Jg., abgeschlossen 2004).