Neuer Masterstudiengang Historische Bauforschung und Denkmalpflege (HBD) 

ab Wintersemester 2017/18

 

Die Umstrukturierung des Masterstudiengangs Denkmalpflege in den Masterstudiengang Historische Bauforschung und Denkmalpflege hat die Zustimmung aller zuständigen Gremien incl. des Akademischen Senats erfahren. Zur endgültigen Einführung des neuen Studiengangs fehlt noch die Zustimmung des Präsidiums, die aller Voraussicht nach in den nächsten Wochen zu erwarten ist.

 

Neuerungen und Voraussetzungen des interdisziplinären Studiengangs

Bei gleicher Kapazität wird das Masterstudium von drei auf vier Semestern erweitert und damit eine angemessene Studierbarkeit ermöglicht. Der Studiengang ist nicht mehr postgradual, sondern konsekutiv. Somit können sich ab sofort auch BachelorabsolventInnen (mit mindestens 180 LP) folgender Fachrichtungen bewerben: Architektur, Bauingenieurwesen, Kunst- und Kulturgeschichte, Geschichte, Archäologie, Restaurierungswesen, Geodäsie, Stadt- und Regionalplanung, Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur, Historische Geographie, Volkskunde, Vor- und Frühgeschichte oder einem fachlich nahestehenden Studiengang. Im Studiengang werden die Kenntnisse unterschiedlicher Fachrichtungen vertieft. Da die Studierenden aus verschiedenen Studiengängen stammen, lernen sie untereinander ihre unterschiedlichen Kompetenzen kennen.

Inhalte und Ziele

Der interdisziplinäre Masterstudium Historische Bauforschung und Denkmalpflege an der Fakultät VI der Technischen Universität Berlin vermittelt die Inhalte und Kenntnisse der Historischen Bauforschung  und Denkmalpflege, das analytische Sehen der BauforscherIn und DenkmalpflegerIn, das Erkennen aller baukonstruktiv und bautechnisch relevanten Details und eine Sensibilisierung im Umgang mit historisch bedeutenden Bauten. Die Primärquelle ist das Bauwerk selbst, das vor Ort mit allen Details analysiert wird. Auf der Basis der Ergebnisse der Bauforschung werden Denkmalstrategien mit Konservierungs- und Nutzungskonzepten erarbeitet.

Der Studiengang befähigt die Absolventinnen und Absolventen in allen Arbeitsfeldern der Historischen Bauforschung und Denkmalpflege. Das Studium qualifiziert dazu, auf wissenschaftlicher Grundlage historische Bauwerke und städtebauliche Zusammenhänge unter Berücksichtigung historischer, kultureller, sozialer, ökonomischer, ökologischer, politischer und rechtlicher Aspekte zu analysieren und zu bewahren. Das Studium befähigt zu einer selbständigen und verantwortlichen Tätigkeit im Berufsfeld der Historischen Bauforschung und Denkmalpflege: in Denkmalämtern, Bauämtern, fachspezifisch ausgerichteten Architekturbüros, Restaurierungsbüros, Forschungsinstitutionen und Museen.

Ein weiteres wichtiges Tätigkeitsfeld ist die qualifizierte und verantwortungsbewusste Durchführung und Leitung von wissenschaftlichen Forschungsprojekten im Bereich der Historischen Bauforschung und Denkmalpflege. Aufgrund der Einheit von Forschung und Lehre kann bereits während des Masterstudiums eine Einbindung in Forschungsprojekte ermöglicht und gefördert werden. Damit empfiehlt sich der Studiengang auch für Interessenten an einer Tätigkeit in Wissenschaft und Forschung, die ihr Profil durch eine Qualifikation
im Bereich der Historischen Bauforschung und Denkmalpflege schärfen wollen.

Ein Schwerpunkt des Masterstudiengangs ist die Historische Bauforschung, die die wissenschaftliche Untersuchung des gesamten Spektrums des Bauens zum Ziel hat – von den Anfängen bis zur Gegenwart, von den einzelnen Bauteilen über komplexe Bauwerke bis hin zu großräumigen städtebaulichen Strukturen. Die Basis der Historischen Bauforschung ist die verformungsgenaue Bauaufnahme, die Vermessung und zeichnerische Dokumentation eines baulichen Zusammenhangs ausgehend von einem unabhängigen Messsystem.  Dabei werden alle konstruktiven und technischen Details, eventuelle Verformungen und Veränderungen gezeichnet. Neben dem traditionellen Handaufmaß und der zeitgemäßen tachymetrischen Bauaufnahme werden zukunftsorientierte Messmethoden – Structure from Motion (Mehrbild- Photogrammetrie, Laserscan) – eingesetzt. Dabei ist besonders wichtig, eine professionelle Methodenkompetenz zu erlangen, welche Methode für das jeweilige Objekt geeignet ist. Ein Alleinstellungsmerkmal für den Studiengang ist die Bauteilaufnahme antiker Originale, die in den Depots der Berliner Museen vermittelt werden kann.

Beim genauen Zeichnen werden die baulichen Zusammenhänge betrachtet und beurteilt, um die tektonischen Zusammenhänge zu verstehen und auf diese Weise den analytischen Blick zu schärfen. Auf der Grundlage der Baudokumentation, die zudem eine umfangreiche Fotodokumentation und eine detaillierte Baubeschreibung umfasst, werden die Bauphasen analysiert und zeichnerische Rekonstruktionen, eventuell auch Modelle und Visualisierungen erarbeitet. Die Recherche der vorhandenen Archivalien führt zur Datierung der Bauphasen. Ziel ist die Erforschung des historischen und kulturellen Kontextes mit der zeitlichen und stilistischen Einordnung, sowie die funktionale, ästhetische und kultische Deutung. Zentrale Anliegen der Architektur und des Bauens werden analysiert: Entwurf und Ausführung, Bauablauf und Bauabschnitte, Baustelle, Bauhütten und Bauorganisation, Baukonstruktion und tektonisches Gefüge, Bauformen und Proportionen, Tragverhalten und Bautechnik, Bauphasen und Umbaumaßnahmen.

Studienaufbau

Im ersten Semester werden neben der manuellen Bauaufnahme die Inhalte und Ziele der Baugeschichte antiker Architektur und der archäologischen Bauforschung, der Denkmalkunde sowie historische Bauformen und Baukonstruktionen vermittelt. Diese Module bilden die theoretische Grundlage für die weiteren Module der Historischen Bauforschung und Denkmalpflege. Die Bauuntersuchung antiker Monumente ist zugleich ein Forschungsschwerpunkt des Fachgebiets und auf diese Weise haben die Studierenden die Möglichkeit der aktiven Mitarbeit in den Forschungsprojekten in der Türkei, in Jordanien, Griechenland, Italien und in Nepal.

Im zweiten und dritten Semester des Studiengangs steht das Jahrgangsprojekt im Mittelpunkt, bei dem ein historisch bedeutendes Bauwerk aus dem Raum Berlin Brandenburg nach den Methoden und Zielen der Historischen Bauforschung und Denkmalpflege systematisch analysiert wird. Zunächst wird eine detaillierte Baudokumentation (Bauaufnahme, Raumbuch, Baubeschreibung, Fotodokumentation) erarbeitet und die Archivalien recherchiert. Dieses liefert die Basis für die relative und absolute Chronologie mit Bauphasen- und Rekonstruktionsplänen. Danach wird der Denkmalwert erarbeitet und der denkmalpflegerische Bindungsplan erstellt. Es folgt eine Material- und Schadenskartierung. Alles zusammen bildet die Grundlage für die Entwicklung von Denkmalstrategien mit Konservierungs- und Nutzungskonzepten. Diese Jahrgangsprojekte sind als Forschungsprojekte zu verstehen, die in enger Kooperation mit den Landesämtern für Denkmalpflege in Berlin und Brandenburg sowie mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten durchgeführt werden. Auf diese Weise ist die Einheit von Forschung und Lehre gewährleistet und  gleichzeitig eine Verknüpfung von Theorie und Praxis. Während des Pflichtpraktikums können die Studierenden ihre Kenntnisse in der Praxis vertiefen.

Das Masterstudium wird abgerundet durch eine Vielzahl weiterer Wahlpflichtmodule aus unterschiedlichen Bereichen: Archäologie, Restaurierungswesen, Bauforschung im globalen Kontext, Baustoffe im historischen Kontext, Gartendenkmalpflege, Industriedenkmalpflege, Tragwerkslehre für Denkmalpfleger, CAD, Visualisierung, Wissenschaftliche Projektarbeit Bauforschung, Architekturtheorie, Bau- und Stadtbaugeschichte, Geschichte und Theorie der Denkmalpflege , Architektur- und Kunstgeschichte. Außerdem haben die Studierenden die Möglichkeit, im Rahmen der Wahlmodule individuelle Schwerpunkte zu setzen.

Das vierte Semester ist der Masterthesis vorbehalten. Diese erste Forschungsarbeit führen die  Studierenden selbständig durch. Bereits im ersten Semester können sie ein Objekt für ihre Masterarbeit auswählen, das ihre Wünsche, Erfahrungen und beruflichen Qualifikationen weiterentwickelt. Hier reicht das Spektrum der Historischen Bauforschung und Denkmalpflege von Bauwerken in Berlin und Brandenburg über das gesamte Bundesgebiet bis hin zur antiken Architektur im Mittelmeerraum oder auch der Architektur im globalen Kontext. In diesem Zusammenhang ist wichtig zu erwähnen, dass die Studierenden inzwischen aus vielen verschiedenen Ländern zum Masterstudium an die TU Berlin kommen. Somit ist dieser Studiengang international geprägt, was sich u.a. in der Wahl der geographisch weit gestreuten Masterthemen wiederspiegelt.

Insgesamt werden die Lehrveranstaltungen von Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeitern verschiedener Fachgebiete der TU Berlin geleitet. Zusätzlich konnten als Lehrbeauftragte renommierte Kollegen des Berliner und Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege, der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten sowie Kollegen von namhaften Ingenieur- und Architekturbüros gewonnen werden, die inzwischen seit vielen Jahren den Masterstudiengang Denkmalpflege bereichern. Auf diese Weise werden die Studierenden von den kompetenten Kollegen der verschiedenen Fachdisziplinen nicht nur in optimaler Weise betreut, sondern können im Hinblick auf ihre berufliche Zukunft auf diese Weise auch wertvolle Kontakte knüpfen. Durch die enge Kooperation mit den Landesämtern und Stiftungen werden die Studierenden früh an Forschungsprojekte in Berlin und Brandenburg herangeführt.

Öffnung zum Masterstudiengang Architektur

Von großer Bedeutung ist die Öffnung des Masterstudiengangs Historische Bauforschung und Denkmalpflege (mit insgesamt 15 Modulen) für die Masterstudiengang Architektur, um auf diese Weise eine enge Vernetzung innerhalb des Instituts für Architektur zu garantieren. Synergien und Überschneidungen bestehen zwischen den beiden Masterstudiengängen im Bereich der Wahlpflichtmodule und nicht im Bereich der Pflichtmodule

 

Insbesondere zeichnet sich der Studiengang durch folgende Punkte aus:

− Einzigartiges Profil im deutschsprachigen Raum
− Verknüpfung mit dem Masterstudiengang Architektur durch Öffnung der überwiegenden Anzahl der Module
− Deutliche Anlehnung des Studienverlaufs an den Masterstudiengang Architektur
− Klare, einfache Struktur, die es ermöglicht, zukünftig sich ändernde Inhalte, wechselnde Forschungsschwerpunkte und neue strategische Ausrichtungen aufzunehmen.
− Wahlpflicht- bzw. Wahlbereichmodule, in die flexibel die über die Jahre hinweg sich ändernden Forschungsthemen und -projekte eingebracht werden können.
− Fachgebietsübergreifend gelehrte Module
− Zwei Schwerpunkte in Lehre und Forschung: Historische Bauforschung und Denkmalpflege in Berlin-Brandenburg und im internationalen Kontext
− Stärkung der archäologischen Bauforschung
− Bauaufnahme mit traditionellen und vor allem auch modernen Methoden (vom Handaufmaß bis Structure from Motion)
− Einführung der Visualisierung und 3D-Animation
− Projektorientierte Ausrichtung
− Interdisziplinäre und internationale Prägung des Studiengangs
− Einheit von Forschung und Lehre