Nepal

Nepal – Architektur des Kathmandu-Tales

Workshop zur Bauforschung und Denkmalpflege in Nepal

Projekt: bauhistorische Untersuchung der Architektur des Kathmandu-Tales
Projektleitung: Prof. Dr. Thekla Schulz-Brize
Wissenschaftliche Bearbeitung: Dipl.-Ing. Tillmann Kühnel, M.Sc.
Kooperationspartner: Kathmandu University, OTH Regensburg
Förderung: Gerda Henkel Stiftung

 

Im Jahr 2015 wurde Nepal durch ein verheerendes Erdbeben erschüttert. Neben der humanitären Katastrophe ist auch der materielle Schaden zu beklagen.

Dhulikhel ist Standort der Kathmandu Universität mit zahlreich erhaltenen, aber durch die Katastrophe stark einsturzgefährdeten Wohnhäusern der Newar. Bemerkenswert ist die hohe Qualität der Handwerkskunst dieser Bauwerke, die aus einer Mischkonstruktion aus Holz und Lehmziegeln bestehen mit reich dekorierten Lehmziegeln und Holzschnitzereien sowie die sehr aufwendigen, teilweise weit auskragenden Dachkonstruktionen. Diese Häuser sind seit dem Erdbeben aufgrund der Einsturzgefahr überwiegend verlassen und daher ganz akut vom Abriss bedroht. Die Bewohner schlafen zumeist in Notunterkünften und suchen nur am Tage ihre alten Häuser auf.

Im Rahmen eines langfristigen Forschungsprogramms im Bereich Bauforschung und Kulturerhalt sind Bauforscher der TU Berlin und OTH Regensburg im März und im November 2016 nach Nepal gereist. In Kooperation mit der Kathmandu Universität fanden in Dhulikhel Workshops zur Bauaufnahme statt, an denen Studenten verschiedener Universitäten aus Nepal teilgenommen haben.

Die Studenten lernten die Grundlagen der Bauaufnahme mit einfachsten Mitteln. So wurde zunächst ein unabhängiges Messnetz bestehend aus Maurerschnüren gespannt. Ausgehend von diesem Messnetz wurde das Gebäude im M 1:20 detailliert mit allen Verformungen gezeichnet. Die Studenten waren mit ganzem Engagement bei der Sache und erstellten in einer erstaunlichen Geschwindigkeit präzise Zeichnungen. Auf der Grundlage dieser Zeichnungen wurde das baukonstruktive Gefüge und das Tragverhalten des Hauses untersucht und eine statische Ertüchtigung diskutiert.

Zudem wurde mit einer beschreibenden Erfassung und fotografischen Dokumentation des Gebäudebestandes in der Altstadt begonnen.

Beim zweiten Workshop wurde weiteren Studenten neben diesen grundlegenden Verfahren der Bauaufnahme zudem als zusätzliches Hilfsmittel die Mehrbildphotogrammetrie vorgestellt. Dabei wurden die wesentlichen Schritte vermittelt: Von der Einmessung von Messpunkten, mittels einer vor Ort gemieteten Totalstation, der fotografischen Objektdokumentation, über die Softwarebearbeitung mit Agisoft PhotoScan bis zur Ausgabe von orthorektifizierten Bildern. Insgesamt konnten mit den Studenten über 30 Fassaden eingemessen und anschließend photogrammetrisch erfasst werden.
Parallel zur Bauaufnahme wurde die im März begonnene fotografische Dokumentation zusammen mit einer beschreibenden Erfassung des Gebäudebestandes weitergeführt.

Im Bereich der historischen Bauforschung hat Deutschland weltweit ein Alleinstellungsmerkmal, und so ist es für den Erhalt der gefährdeten Architektur in Nepal von besonderer Bedeutung, diese Methoden im Land selbst und auch durch den geplanten Austausch von Studenten und Doktoranden zwischen der Universität Kathmandu und der TU Berlin zu vermitteln. Nebenprodukt dieser Projekte ist ein Wissenstransfer der nepalesischen Bautradition und Baukonstruktion in westliche Länder.

Der Gemeinderat möchte eines der alten Wohnhäuser zu einem Museum und mehrere weitere zu Studentenwohnheimen umnutzen, um sie auf diese Weise vor dem Verfall zu schützen. Der Wille des Gemeinderats zum Erhalt der historischen Bausubstanz wurde während des zweiten Workshops auch in einem feierlichen Akt festgehalten.

Die Dokumentationsarbeiten und Workshops sollen im März 2017 fortgesetzt und daraus ein Site Management Plan für den gesamten Ort Dhulikhel erarbeitet werden, um das Stadtbild zu bewahren, die Häuser zu sichern und die Stadt insgesamt für die Bewohner und Touristen attraktiver zu gestalten.

Im Weiteren wurden alte Plattenaufnahmen von der Architektur des Kathmandu-Tales digitalisiert und fachgerecht archiviert. Die alten Plattenaufnahmen bilden zusammen mit der aktuellen Fotodokumentation der Architektur des Kathmandu-Tales die Basis für eine geplante Ausstellung mit dem Arbeitstitel „Nepal – ein Weltkulturerbe vor und nach den Erdbeben von 1934 und 2015“, die in Nepal und auch in Deutschland an verschiedenen Orten
präsentiert werden könnte.