Nepal – Architektur des Kathmandu-Tales / Dhulikhel

Nepal – Architektur des Kathmandu-Tales / Dhulikhel

Forschungsphase I

 

Projekt: Die Häuser der Newar in Dhulikhel
Projektleitung: Prof. Dr. Thekla Schulz-Brize
Wissenschaftliche Bearbeitung: Dipl.-Ing. Tillmann Kühnel, M.Sc.
Kooperationspartner: OTH Regensburg, Kathmandu Universität
Förderung: Gerda Henkel Stiftung

 

Das Hauptaugenmerk der Untersuchungen über die Architektur der Newar lag bislang auf den Palästen und Tempeln. Die vorliegende Forschungsliteratur beschränkt sich somit weitgehend auf diese Gebäude der Oberschicht, bzw. die Sakralbauten. Für die traditionelle Wohnbebauung der Newar liegen in erster Linie weitgehend schematische Darstellungen der Konstruktion bzw. Beschreibungen des Städtebaus und der Gestaltungsprinzipien vor. Diese basieren weitgehend auf den seit 1968 durchgeführten Untersuchungen in den Ortschaften Bungamati, Bhaktapur, Panauti und Kirtipur.

Auch wenn die Gebäude der Newarischen Architektur auf gemeinsamen konstruktiven und gestalterischen Prinzipien basieren fehlen für die Festlegung von fachgerechten Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen in Dhulikhel  ausreichend detaillierte Bauaufnahmen der Wohnbebauung. Im Rahmen eines langfristig angelegten Forschungsprogramms im Bereich Bauforschung und Kulturerhalt der TU Berlin und OTH Regensburg sollen in Kooperation mit der Kathmandu Universität nun die noch erhaltenen, aber durch die letzten Erdbebenkatastrophen 2015 stark einsturzgefährdeten Wohnhäusern der Newar in Dhulikhel detaillierter erforscht werden. Ein Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Untersuchung der Konstruktionen hinsichtlich des präventiven Erdbebenschutzes. Die Ergebnisse werden im Rahmen einer Dissertation publiziert.

Dazu sollen verformungsgetreue Aufmaße ganzer Häuser sowie Details  in einer Reihe von Vergleichsgebäuden verschiedener Epochen durchgeführt und steingerechte Pläne erstellt werden. Zusätzlich sollen entsprechende Fotodokumentationen mit einer detaillierten Beschreibung der vorgefundenen Bausubstanz dieser Objekte erstellt werden.

Diese dienen neben der Dokumentation des historischen Bauwerks als unverzichtbare historische Quelle für die wissenschaftlichen Untersuchungen z.B. der Bauphasen, aber auch für einen Vergleich mit den bisher anderenorts untersuchten Bauwerken.

Auch als Grundlage für die Festlegung von – aufgrund der Erdbebenschäden dringend erforderlichen – denkmalpflegerisch begleiteten Sanierungsmaßnahmen zur Sicherung der historischen Bausubstanz oder – auf weitere Sicht –  z.B. bei der Umsetzung eines Site Management Plans sind diese Ergebnisse unerlässlich, um einen fachgerechten Erhalt des kulturellen Erbes sicherzustellen. Zudem soll durch die Arbeit auch ein vertiefter Wissenstransfer über die Konstruktionsarten ermöglicht werden.

In einer ersten zwölftägigen Kampagne wurde der Gebäudebestand gesichtet und dabei die Fassaden von über 30 Gebäuden zusammen mit nepalesischen Studenten tachymetrisch eingemessen und mit dem Verfahren der Mehrbildphotogrammetrie erfasst, um eine spätere zeichnerische Dokumentation und Untersuchung zu erleichtern.

© Tillmann Khünel