Berlin-Wannsee, Schloss Pfaueninsel

Projekt: Bauhistorische und bauarchäologische Untersuchung
Projektleitung: Prof. Dr.-Ing. Dorothee Sack, Dr. phil Elgin von Gaisberg
Wissenschaftliche Bearbeitung: Elgin von Gaisberg, Isabelle Frase, Sandra Reinken, Nora Ullrich, Konstantin Wächter
Förderung: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

 

2013 wurde das Fachgebiet Historische Bauforschung der TU Berlin (Ltg. Dorothée Sack), von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) mit dem Aufmaß und den bauhistorischen Untersuchungen des Schlosses auf der Pfaueninsel beauftragt. Ziel war es, den aktuellen Gebäudezustand mit seiner baufesten Ausstattung in Aufmaßen und in einem Raumbuch zu dokumentieren. Auf der zusätzlichen Grundlage umfangreicher Archiv-recherchen waren dabei auch die historischen Baukonstruktionen sowie spätere Reparaturen oder Veränderungen am Gebäude zu erforschen. Die Ergebnisse der Auswertung fanden sowohl bauteilbezogen im Raumbuch als auch in zahlreichen Bauphasenplänen ihren Nieder-schlag. Die Untersuchung soll als Grundlage für nachfolgende Sanierungsmaßnahmen am Schloss dienen.

Lage und Bestand

Das in Form einer künstlichen Ruine errichtete Schloss auf der Pfaueninsel steht im Sichtbezug zum kurz zuvor enstandenen Marmorpalais auf der südwestlichen Spitze der Pfaueninsel; diese ist bis heute ausschließlich mit der Fähre erreichbar.
Der Baukörper umfasst einen zweigeschossigen Hauptbau über nahezu quadratischem Grundriss mit zwei runden Türmen an dessen Süd- und Westecke. Das gesamte Schloss ist auf einem massiven, überwölbten Kellergeschoss (Ziegelmauerwerk) als Fachwerkkonstruktion mit Ziegelausfachung gebaut. Die Außenseiten sind beplankt, die Brettverschalung ist mit einem gesandeten weißen Anstrich, die der Fassaden des Hauptbaus zusätzlich mit einer aufgemalten Quaderung versehen. Die von den Türmen gerahmte Hauptfassade ist durch eine Rundbogennische, ausgekleidet mit einer gemalten Scheinarchitektur, die ein offenes Tor vortäuscht, ausgezeichnet.
Über dem Keller, der zusätzlich über einen unterirdischen sog. Küchengang erreichbar ist, folgen zwei Hauptgeschosse, in die die Türme eingebunden sind. Das zweite und dritte Obergeschoss beider Türme steht frei, zwischen ihnen spannt eine gusseiserne Brücke. Der südliche Turm dient als Treppenturm, während der westliche im Erd- und 1. Obergeschoss in das Raumprogramm einbezogen ist. Zweites und drittes Obergeschoss des Westturmes sind nur über die begehbare Dachfläche des Hauptbaues erreichbar. Das zentrale Pyramidendach wird größtenteils von der „pseudo-ruinös“ auslaufenden Fassade eines vermeintlichen 2. Obergeschosses verdeckt und ist nur aus der Ferne sichtbar.
Die meisten Innenräume des kleinen Schlosses sind mit Marketerieparkett, Lambris, mehrfarbig bedruckten Papier- oder Stofftapeten und, wie im Fall des Hauptsaales, mit aufwendigen architektonisch gegliederten und furnierten Boiserien ausgestattet. Von dem Anspruch der Ausstattung zeugen zudem die Deckenfassungen, die Spiegel mit ihren reich geschnitzten und farbig gefassten Spiegelrahmen und nicht zuletzt die drei Marmorkamine sowie ein Kachelofen.

Ergebnisse der Bauforschung

Das Schloss auf der Pfaueninsel wurde im Auftrag von Friedrich Wilhelm II. unter der Regie von Johann Friedrich Ritz (verantwortl. für das gesamte Kgl. Bauwesen) von dem Hofzimmermeister Johann Gottlieb Brendel 1794–97 erbaut.
Eine Besonderheit des Schlosses ist, dass ein Großteil seiner Bausubstanz, aber auch der festen sowie mobilen Ausstattung aus der Erbauungszeit, erhalten ist. Bis auf wenige größere, in die Substanz eingreifende Maßnahmen erfolgten lediglich Reparaturen, so dass das Schlösschen als eines der wenigen Hohenzollernschlösser in und um Berlin in seiner Ursprünglichkeit erhalten blieb.
Grundlegend für das Verständnis der Baukonstruktion und späteren Schäden ist die Überlieferung, dass die Fassaden des Schlösschens nach dem ersten Entwurf mit Borke verkleidet werden sollten. Wilhelmine Enke, spätere Gräfin von Lichtenau (langjährige „Favoritin“ des Königs), die mit der Innenausstattung betraut war, veranlasste jedoch nach Fertigstellung des Fachwerkbaus statt der Borkenverkleidung die als Unterkonstruktion aufgebrachte Brettverschalung lediglich mit einem Gemisch aus weißer Ölfarbe und eingestreutem Steinsand zu streichen, um dem Schlösschen damit das Aussehen eines römischen Landhauses zu verleihen. Nur der Hauptbau erhielt außerdem eine gemalte Quaderung. Diese „reduzierte“ Fassadenverkleidung erwies sich vor allem an den Türmen schon wenige Jahre später als mangelhaft und führte zu Undichtigkeiten. Eine Reihe von Reparaturmaßnahmen, die zwischenzeitlich das Erscheinungsbild wesentlich veränderten, folgte: Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jhs wurden die Türme verputzt, auf der Brettverschalung der Türme in regelmäßiger Anordnung als Rustizierung rechteckige Holzbretter aufgenagelt, was in der 2. Häfte des 19. Jhs schließlich auch an der Fassade des Hauptbaus durchgeführt wurde. 1909–11 wurde die gesamte Brettverschalung abgenommen und ein gequaderter Zementputz aufgebracht. Aus konservatorischen Gründen wurde 1974–76 der gesamte Zementputz wieder abgenommen und die Brettverschalung der 1. Bauphase von 1794–97 rekonstruiert. Als Grundlage hierfür diente eine historische Ansicht des Schlosses von Fr. A. Calau von 1819.
Abgesehen von den Fassadenreparaturen stellt der Neubau der die Türme verbindenden Brücke kurz nach der Erbauung des Schlosses einen markanten Eingriff dar: Bereits 1806–09 wurde die erste Holzbrücke aus unbehauenem Rüsternholz durch eine moderne gusseiserne Brücke ersetzt, eine der ersten ihrer Art in Preußen.
Überdies ist das Dach des Schlosses ein Bereich, der ebenfalls nicht mehr in seiner ersten Gestalt erhalten ist. So konnte anhand von Baubefunden und historischen Plänen festgestellt werden, dass die Dachkonstruktion spätestens in der 2. Hälfte des 19. Jhs erneuert wurde.

C:Dokumente und EinstellungenisaEigene DateienArbeitHBFSch
Schloss Pfaueninsel, Grundriss EG, Aufmaß TU Berlin 2013.
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Schloss Pfaueninsel, Grundriss 1.OG, Aufmaß TU Berlin 2013.

 

C:Dokumente und EinstellungenisaEigene DateienArbeitHBFSch
Schloss Pfaueninsel, Schnitt B-B, Aufmaß TU Berlin 2013