Schloss Schönhausen

Berlin-Niederschönhausen, Schloss Schönhausen

Bauarchäologische Untersuchung der Fassaden

Befunde und Ergebnisse

Schloss Schönhausen wurde in der 2. Hälfte des 17. Jh.s als Sommersitz errichtet. Seine endgültige äußere Gestalt erhielt das Schloss erst 1763/64. Nach einer wechselvollen Nutzung im 19. und zu Beginn des 20. Jh.s wurde das Schloss nach 1945 als Sitz des Präsidenten und als Gästehaus der DDR genutzt. Hierfür wurde es außen und inner erheblich umgestaltet. Heute gehört das Schloss und der dazugehörige Park zum Bestand der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. 2009 wurde es als “Museumsschloss” eröffnet.

Bauarhäologische Untersuchung der Fassaden

Die Untersuchung der Fassaden war Teil des von TU Berlin, Fachgebiet Historische Bauforschung unter der Leitung von Prof.Dr.-Ing. Dorothee Sack durchgeführten bauarchäologischen und bauhistorischen Untersuchungen des Gesamtgebäudes. (1)

Nachdem 2006 der bauwerksschädigende Glaskröselputz aus den 1980er Jahren entfernt worden war, machten die dann sichtbaren Baufugen eine dekallieter Dokumentation und Untersuchung der Fassadenflächen nowendig. Nur an den Gliederungselementen (Gurtgesims und Lisenen) und am Mittelrisalit der Ostseite war der vorhandene Putz belassen worden. Hier war, wie die restauratorische Untersuchung(2) ergab, Putz mit Farbfassungen von 1763/64 erhalten.

Zunächst wurden die verschiedenen Ziegelsteinformate, die Veränderungen im Sockelbereich und an den Stufen der Fenstertüren sowie die Eingriffe am Laibungsmauerwerk der Fensteröffnungen dokumentiert und in die Aufmaßpläne(3) eingetragen. Exemplarisch gezeichnet wurden die unterschiedlichen Sturzkonstruktionen der verschiedenen Bauphasen. Alle Informationen sind in einem Fassadenbuch und in den Bauphasenplänen zusammengefasst und wurden in die bestehende Baudatensammlung eingefügt.

Ergebnisse

Bereits auf den ersten Blick ließen sich drei Bauphasen allein anhand der verwendeten Ziegelformate und -farben unterschieden: der sieben Achsen umfassende Kernbau (1664 oder 1684-1690), die 1704-1709 auf des Nord- und Südseite eingefügten eingeschossigen Pavillons und die Erweiterung und Aufstockung von 1763/64.

Bereits vor der Abnahme des Putzes fiel auf, dass isch die Anordnung der Fensterachsen auf der Nord- und Südseite unterscheiden.  Während auf der Nordseite weder axiale noch eine gleichmäßige Anordnung vorhanden ist, sind die Fensterachsen auf der Südfassade, ausgesehen von einer Mittelachse, mit gleichmäßigen Abständen verteilt- Zunächst lässt sich diese ungleiche Behandlung der Fassaden aus der Anordnung der dahinterliegenden Räume erklären. Während auf der Nordseite im EG kleinteilige Kabinette angeordnet waren, befinden sich auf der Südseite sowohl im EG als auch im 1.OG langgestreckte Galerien. Darüberhinaus konnte jedoch nach Abnahme des Putzes beobachtet werden, dass auf der Südseite zwei Fensteröffnungen in ihrer horizontalen Lage verschoben worden waren. Zum einen eine Fensteröffnung, die sich im Bereich des Pavillons befindet, zum anderen auch eine Fensteröffnung, die bereits im Mauerwerk der Erweiterung angelegt war. Daraus lässt schließen, dass die Entscheidung, auf der Südseite die heute noch vorhandenen langgestreckten Galerien anzulegen erst getroffen wurde, als die Erweiterung bereits im Bau war.

Sowohl an der Nor- als auch an der Südfassade ist die Mauerwerkfuge, die das Ende der Pavillonbauten von 1704-1709 definierte, deutlich erkennbar. Daneben befindet sich im Bereich des Mauerwerks des Pavillons ein ca. 60 cm breiter Streifen mit Mauerziegeln, deren Oberfläche abgeschlagen wurde. Hier lässt sich die Ecklisene der Pavillons verorten. Auffällig ist, dass sich auf der Nordseite ein solcher Streifen über alle Geschosse bis unter die Traufe fortsetzt. Wie auch Fotos aus den 1950er Jahren belegen, wurde hier offensichtlich beim Umbau 1763/64 abgeschlagen, wahrscheinlich weil die Lager der Lisene mit der neuen Position des Fensteröffnungen kollidierte. Auf der Nordseite wurde diese Lisene auch noch beibehalten als 1959 ein außen liegender Auszug in der Mittelachse errichtet wurde, erst 1964/65 mit dem Abriss des Aufzugs, wurde die Lisene abgeschlagen.

Aus dieser ungleichen Behandlung der Nord- und Südfassade beim Umbau 1763/64 lässt sich auch schließen, dass an der nordwestlichen Ecke mit dem Bau der Erweiterung begonnen worden war. Unterstützt wird diese These von weiteren Befunden: Nur im nordwestlichen Bereich der Erweiterung wurden verstärkt Mauerziegel der Bauphase 1664 oder 1684-90 wieder verwendet und das Gurtgesims st nur an der nordwestlichen Seite nicht im Mauerwerk angelegt.

Wie die dargestellten Ergebnisse zeigen, konnte durch die bauarchäologische Untersuchung der Fassaden der bisherige Forschungsstand zur Baugeschichte ergänzt und Fragen zum Bauablauf geklärt werden.

(1) s.Jahrbuch MSD 2005-2007, S.26/27
(2) Restauratorische Untersuchung durchgeführt durch Restauratorengemeinschaft J. Hochsieder und Th. Tapp SPSG
(3) Aufmaß vor Abnahme des Putzes, Büro ASD, Berlin 2006

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Schloss Schönhausen. Garten- und Festsaal

Projekt: Schloß Schönhausen. Bauforschung – Ergebnisse zur Bauentwicklung von Garten- und Festsaal
Projektleitung: Prof. Dr.-Ing. Dorothee Sack, Dr. phil Elgin von Gaisberg
Kooperationspartner: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

Das Forschungsprojekt

Zwischen 2005 und 2008 erforschte das Fachgebiet Historische Bauforschung der TU Berlin, unter Leitung von Dorothée Sack, im Auftrag der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) die Baugeschichte von Schloss Schönhausen. Es galt, die verschiedenen Bauphasen und -zustände des Gebäudes herauszufinden, aus der vorhandenen Bausubstanz herauszuschälen und zu erklären. Die Arbeiten, die zunächst bauvorbereitend und seit 2006 baubegleitend im Rahmen der „Sanierung und Restaurierung zum Schlossmuseum“ durchgeführt wurden, fanden im ständigen Austausch mit den forschenden Kunsthistorikern der SPSG D. Fuchs, A. Hagemann und den Restauratoren T. Tapp, J. Hochsieder statt – eine fruchtbare Zusammenarbeit, die sich in den Ergebnissen niedergeschlagen hat.1

Die Baugeschichte des Saalbereiches

Die heutige Struktur der beiden übereinander liegenden Säle im EG (Gartensaal) und 1./2. OG (Festsaal) zeigt nur einen Ausschnitt der wechselhaften „Saalgeschichte“ des Schlosses. In der Entwicklung zur heute sichtbaren Saalstruktur lassen sich nun erstmals vier unterschiedliche Bauzustände zwischen 1684 und 1763/64 unterscheiden und rekonstruieren. Im Einzelfall erklären sie sogar andere Veränderungen im Schloss als unmittelbar abhängige Maßnahmen und nicht zuletzt spiegeln sie auch die unterschiedlichen Repräsentationswünsche der verschiedenen Nutzer wider.1

Der 1. Saalzustand nach 1685 bis um 1700:
Mit dem Neubau des damaligen Herrenhauses (Kernbau) nach 1685, zunächst im Auftrag von Oberhofmarschall J. E. v. Grumbkow, seit 1691 von Kurfürst Friedrich III. fortgeführt, entstand die erste Saalform, die bis um 1700 bestehen blieb. Sie lässt sich anhand von Baubefunden, aber auch durch zeitgenössische Darstellungen um 1695 und um 1700 (Ch. Pitzler und J. B. Broebes) als hoher zweigeschossiger Saal rekonstruieren, der sich über das 1. und 2. OG erstreckte. Belichtet wurde dieser Saal durch drei große Rundbogenöffnungen, die äußeren als Fenster und die mittlere als Fenstertür zu einem davor liegenden Balkon konzipiert. Im EG war der darunter liegende Bereich in dieser ersten Bauphase weniger repräsentativ in einen mittleren Durchgang und zwei nördlich und südlich anschließende Kammern aufgeteilt. Nachweisen lässt sich zudem, dass die Decken im gesamten Erdgeschoss des Herrenhauses um ca. 40 cm niedriger lagen.
Von diesem ersten Bauzustand blieben die Umfassungswände mit dem Korbbogen des Mittelganges im EG und die Konstruktion der Voutendecke2 über dem Saal im OG erhalten.

Der 2. Saalzustand nach 1704 bis 1709:
Zwischen 1704 und 1709, wenige Jahre nach der Krönung des Kurfürsten zum König Friedrich I. in Preußen, entstand mit dem Anbau dreiachsiger, eingeschossiger Pavillons an der Ost- und Westseite des Kernbaues der zweite Bauzustand: Im EG wurde der Bereich unter dem Saal entkernt und die Decke zum 1. OG entfernt, so dass hier ein mehr als 13 m hoher Saal entstehen konnte. Dieser neue Saal erstreckte sich nun über alle drei Geschosse des Gebäudes, war aber ausschließlich an die Räume im EG angebunden. Den Abschluss bildete weiterhin die Voutendecke des ersten Saales.
Sichtbar wurde diese bauliche Veränderung auch an der Fassade: Analog zu den Rundbogenfenstern im OG erhielt nun auch das EG Rundbogenöffnungen, ausgeführt als Fenstertüren zum Park. Der jetzt nicht mehr vorhandene Balkon im OG wurde entfernt.
Als Rekonstruktionsgrundlagen des zweiten Bauzustandes dienen vor allem Archivalien wie ein Inventar von 1709 und eine bildliche Überlieferung, entstanden zwischen 1711 und 1717 (D. Petzold), die das Schloss von Osten zeigt.

Der 3. Saalzustand um 1730:
Einige Zeit nach dem Tod Friedrichs I. wurde der repräsentative dreigeschossige Saal wieder in der Höhe reduziert – nun durch eine Zwischendecke in Höhe der Fußbodenebene des 2. OG. So nahm der Saal nur noch das EG und 1.OG ein und schloss mit einer geraden Decke ab. Diese war offenbar eingezogen worden, um im verbleibenden Luftraum unterhalb der Voutendecke zwei zusätzliche Gemächer einrichten zu können. Grundlegend für die Rekonstruktion dieses Bauzustandes ist das Inventar von 1740. Darin sind im 2. OG zwei zusätzliche Gemächer erwähnt, die nebeneinander liegen, jeweils mit einem Fenster, einem Kamin und einer Tür ausgestattet sind und deren gemeinsame Decke gewölbt und stuckiert ist. Letzteres dient als entscheidender Hinweis für die Verortung der beiden Gemächer im Saalbereich, denn innerhalb des Inventares bleibt dies die einzige Stuckdecke, die überhaupt erwähnt wird. Bestätigt wird dieser dritte Saalzustand schließlich durch den Baubefund, denn im Mauerwerk der Wand zwischen Flur und Saal traten im 2. OG zwei zugesetzte Türöffnungen zutage. Nach ihrer Lage handelt es sich bei diesen zweifellos um die im Inventar beschrieben Türöffnungen zu den zwei Gemächern.
Entstanden ist dieser Einbau vermutlich um 1730, in einer Phase, in der das Schloss von mehreren Mitgliedern des Hofes gleichzeitig genutzt wurde und zusätzlicher Wohnraum geschaffen werden musste.

Der 4. Saalzustand nach 1763/64:
Der letzte Umbau im Saalbereich fand mit der umfassenden Erweiterung des Schlosses 1763/64 zur Zeit Königin Elisabeth Christines statt, die das Schloss seit 1740 bewohnte. Indem nun die Zwischendecke des 2. OG wieder entfernt und stattdessen eine neue über dem EG eingezogen wurde, entstanden die noch heute bestehenden zwei Säle übereinander: der niedrigere eingeschossige Gartensaal im EG und der Festsaal, der sich wie schon der erste Saal des 17. Jh.s über das 1. und 2. OG erstreckt und wie dieser von der Voutendecke der ersten Bauphase abgeschlossen wird.
Diese Neuaufteilung des Saalbereiches brachte allerdings eine grundlegende und nennenswerte Veränderung für das gesamte Schloss mit sich, die 2008 nach Freilegen der Deckenbalken sichtbar wurde: Bei Einbringen der neuen Zwischendecke im Saal wurde nicht die bestehende Geschosshöhe im EG übernommen, sondern die gesamten dort vorhandenen Deckenbalken, die nachweislich vor 1690 (d) eingebaut worden waren, um ca. 40 cm höher gelegt. Mit dieser aufwendigen Maßnahme gab man dem neuen Saal im EG eine erträgliche Raumhöhe und wertete gleichzeitig die bis dahin vergleichsweise niedrigen Räume im EG auf.3

Anmerkungen

1 Die Ergebnisse der Bauforschung sind veröffentlicht in: Schönhausen, Rokoko und Kalter Krieg. Die bewegte Geschichte eines Schlosses und seines Gartens, hrsg. v. d. Generaldirektion d. Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, redakt. bearb. v. Detlef Fuchs, Alfred Hagemann und Alexandra Schmöger, Berlin 2009; siehe dazu auch die Ausstellung im 2. OG des von Schloss Schönhausen sowie in: Jahrbuch MSD 2005-07, S. 26f. und Jahrbuch MSD 2007-09, S. 40.
2 Nach den dendrochronologischen Untersuchungen, durchgeführt im März 2007 von Tilo Schöfbeck und Karl-Uwe Heußner, kann die Konstruktion der Voutendecke auf 1689 datiert werden.
3 Zur Saalbaugeschichte siehe ausführlicher in: E. v. Gaisberg, Die Entwicklung des Garten- und Festsaals, in: Schönhausen, Rokoko und Kalter Krieg, 2009 (s. Anm. 1), S. 102-107.

1. Bauzustand 1685-89

1. Bauzustand 1685-89

2. Baubestand 1704-09

2. Baubestand 1704-09

3. Bauzustand um 1730

3. Bauzustand um 1730

4. Bauzustand 1763/64

4. Bauzustand 1763/64