Berlin – Museumsinsel – Neuer Packhof

Archäologie im Bereich des geplanten Neuen Eingangsgebäudes des Pergamonmuseums

Der Packhof von Karl Friedrich Schinkel auf der Berliner Museumsinsel

Die Beriner Museumsinsel erfährt zur Zeit das größte Generalinstandsetzungsvorhaben seit der Errichtung der ersten Museumsbauten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Dabei sind nicht nur die Belange des Denkmalschutzes an den stehenden bauten, sondern auch noch im Boden befindliche Reste von historischen Gebäuden zu berücksichtigen.

Nicht weit vom Alten Museum entfernt, auf dem heute freien Raum zwischen Kupfergraben und Neuem Museum, stand bis ins jah 1938 der von Karl Friedrich Schinkel geplante Neue Packhof (Abb. 1 und 2). Die Schinkelschen Packhofgebäude hatten 1832 den “Alten Packhof” auf dem Friedrichswerder und den seit 1749 bestehenden “Neuen Packhof”, der in der Orangerie des “Lustgarten-Bollwerk” unterbracht war, ersetzt.

Noch im 19. Jahrhundert traten Probleme an den neuen Packhofgebäuden auf. 1877 hieß es in der Publikation “Berlin und seine Bauten”: “Das Gebäude…genießt innerhalb der Staat-Bauverwaltung eines besonderes üblen Rufes, da es die häufigsten Reparaturen unter allen fiskalischen Bauwerken erfordert”. Im Jahr 1938 entschloss man sich schließlich, die Gebäude abzubrechen. In einem vor dem Abbruch angefertigten Gutachten wird eine Setzung des Hauptstempelamtes um bis zu 90 cm auf etwa 30 m nord-südlicher Ausdehnung festgestellt.

Die archäologischen Ausgrabungen

Im Zuge der Planungen für ein neues Eingangsgebäude des Pergamonmuseums sollte aus denkmalpflegerischen und planerischen Gründen mit einer begrenzten archäologischen Grabung der Zustand der Baureste und deren Übereinstimmung mit den historischen Plänen geklärt werden. Die Aufgabe wurde dem ohnehin mit der Erforschung der Gründungen der Schinkelzeit auf der Museumsinsel befassten Fachgebiet Historische Bauforschung der TU Berlin übertragen und im Auftrag des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung im September 2011 durchgeführt.

Innerhalb einer 10×3 m großen Grabungsschnittes sollte wegen der komplizierten Wasserhaltung lediglich ein 3x3m großer Abschnitt bis zur Pfahlrostgründung abgetieft werden, um diese konstruktiv untersuchen und einen Pfahl ziehen zu können. Die zum Teil händisch durchführte Freilegung ergab eine den Befunden im ALten Museum ähnlichen Fundamentaufbau (Abb. 3 bis 6).

Die Ergebnisse dieser kleinen Untersuchung waren neben dem Nachweis der Genauigkeit des vorhandenen historischen Planmaterials und wichtigen Erkenntnissen zur Baukonstruktion der Zeit Schinkels auch der Beleg für die statischen Probleme der Gebäude: Das festgestellte Gefälle der Fundamente in Richtung Norden entspricht genau der in dem Gutachten der Dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts genannten Setzung um bis 90 cm. So konnten mit einem räumlich und zeitlich begrenzten archäologischen Eingriff wichtige  Daten zur Konstruktion des Schinkelschen Packhofs dokumentiert werden, die nach der Errichtung des neune Eingangsgebäudes für das Pergamonmuseum nicht mehr gewonnen werden könnten, da der größte Teil der im Boden verbliebenen Reste dieser Baumaßnahme zum Opfer fallen wird.