Berlin Museumsinsel – Altes Museum

Altes Museum in Berlin

 

Projekt: Altes Museum. Auf der Suche nach dem Schinkel-Bau
Projektleitung: Prof. Dr.-Ing. Dorothee SackDer. des. Elgin Röver M.A.
Wissenschaftliche Bearbeitung: Dipl.-Ing. Hanna A. Liebich, Dina A. Sperl M.A.
Kooperationspartner: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Das Museumsgebäude

Das Alte Museum auf der Museumsinsel wurde zwischen 1822 und 1830 unter Leitung von Karl Friedrich Schinkel geplant und ausgeführt. Zu seiner Zeit war es das erste öffentlich zugängliche Museum in Berlin. Es befand sich einst “an einem der herausragendsten Plätze Berlins” – gegenüber dem königlichen Stadtschloss und benachbart zu Zeughaus und Dom. Schinkel entwarf dementsprechend einen betont repräsentativen Bau. Die dem Lustgarten zugewandte Schauseite bildet eine monumentale ionische Säulenhalle. An den drei Seitenfassaden ist der dreigeschossige Nutzbau zu erkennen. Der Kern und das ideelle Zentrum bildet die Rotunde, die den Baukörper um ein Geschoss überragt. Zugänglich ist das Museum über die große Freitreppe, die Säulenvorhalle und das dahinter liegende offene Treppenhaus.

Das Forschungsprojekt

Die Bauforschung am Alten Museum in Berlin ist seit 1999 Teil der Untersuchungen im Vorfeld der geplanten umfassenden Grundinstandsetzung des Gebäudes.

Die bauarchäologischen Untersuchungen sind vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung beauftragt und werden von der TU Berlin durchgeführt. Angesiedelt ist das Projekt bei den Fachgebieten Denkmalpflege unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Dorothee Sack und Bau- und Stadtbaugeschichte unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Johannes Cramer.

Ziel ist es, Baubestand und Konstruktion des Schinkelschen Urbaus aus der heute erhaltenen Substanz herauzuschälen und zusammen mit den Veränderungen späterer Zeit zu dokumentieren.

Das Pfahlrost

Das Alte Museum ist auf einem Holzpfahltrost von 3053 Pfählen gegründet. Über diese Gründung geben Schriftquellen und zahlreiche Pläne aus der Entwurfs- und Bauzeit Auskunft.

Wie die bauarchäologischen Untersuchungen gezeigt haben, wurde der Pfahlrost bisher nicht angetastet. Im Hinblick auf die Konstruktion war festzustellen, dass die Holzgründung des Alten Museums in einer sorgfältigen Zimmermannsarbeit ausgeführt wurde. Davon zeugen die Holzverbindungen wie Verzapfungen, Verkämmungen und Verdübelungen, durch die sämtliche Einzelteile des Pfahlrostes zu einem ausgesteiften Gefüge verbunden sind. Darüber hinaus wurde es durch den Vergleich der aktuellen Bauaufnahme mit den Plänen aus der Bauzeit möglich, diese in Entwurfs- und Ausführung bewertet werden können und demzufolge auch heute noch als Grundlage für Baumaßnahmen zu nutzen sind.

Die Kuppel der Rotunde

Die Rotendenkuppel des Alten Museums ist grundsätzlich dem Originalbestand der Schinkel-Zeit zuzuordnen. Ihre Konstruktion ließ sich anhand der bauzeitlichen Werkzeichnungen, Fotos aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und durch gezielte Befundöffnungen nachweisen.

Die untere Kassettenreihe der Mauerwerkskuppel ist in horizontalen Schichten als Kraggewölbe aufgemauert. Auf dieser “Konsole” folgt eine Lage Sandsteins, die die Kämpferzone der Kuppel bildet. Die einzelnen Blöcke des Werksteinringes sind den Archivalien zufolge durch Eisenspindeln im darunter liegenden Mauerwerk und vermutlich auch durch Klammern untereinander verankert. Erst darauf beginnt die eigentliche Kuppelschale, die aus radial gesetzten Ziegeln aufgemauert ist. Während im unteren Abschnitt der Kuppelschale “Normalziegel”, gebunden in Kalkmörtel Verwendung fanden, wurden im oberen Abschnitt, sogennate Leichtziegel in “Cement-Mörtel” versetzt.

Das Gebälk der Säulenvorhalle

Die Säulenfront der Vorhalle des Alten Museums präsentiert sich in einer reinen Werksteinarchitektur.

Die Untersuchungen haben allerdings gezeigt, dass dies zwar für die Säulen mit Basis und Kapitell gilt, nicht aber für das darauffolgende Gebälk und die Kassettendecke.

Anhand von Archivalien und gezielten Untersuchungen vor Ort ließ sich nachweisen, dass es sich bei der hohen Frieszone des Gebälks lediglich un Verkleidungsplatten handelt, hinter denen eine Mischkonstruktion aus Werkstein und Zeigelmauerwerk mit Eisenverankerungen verborgen liegt.

Anstelle massiver Werksteinblöcke spannen über den Säulenzwischenräumen gemauerte Ziegelbögen zwischen Widerlagern aus Sandstein. Diese dienen zugleich den gemauerten Unterzügen der Kassettendecke als Widerlager.

Die einzelnen Bauteile der komplexen Konstruktion sind durch Eisen untereinander vernadelt oder verankert.