Berlin – Berliner Synagogen zwischen 1853 und 1933

Strategien gebauter Akkulturation

Die Berliner Gemeindesynagogen zwischen Märzrevolution und Nationalsozialismus

 

Das kontinuierliche Anwachsen der Jüdischen Gemeinde in Berlin im 19. und frühen 20. Jahrhundert machte die Errichtung zahlreicher jüdischer Einrichtungen innerhalb einer stark protestantisch geprägten Umgebung notwendig. Der Umfang der Gemeindemitglieder bedingte große Sakralbauten, um dem stetig steigenden synagogalen Bedarf begegnen zu können. Wie verhielt sich die jüdische Gemeinde mit ihren Großbauten gegenüber einem mehrheitlich christlichen Umfeld, das ihr stets auch mit antisemitischen Anfeindungen gegenüberstand?

Die Gemeindesynagogen als identitätsstiftende Bauaufgabe waren durch zahlreiche Faktoren geprägt. Da sich die Gemeindeverwaltung verantwortlich für die Gesamtheit der jüdischen Mitbürger Berlins und somit eine sowohl sozial als auch religiös vielfältige Gemeinde sah, muss von einer heterogenen Bauherrenschaft ausgegangen werden. Zusätzlich wurde mit den Gebäuden auf aktuelle politische und gestalterische Tendenzen innerhalb Deutschlands reagiert. So beeinflusste das allmählich herausgebildete und vergleichsweise jungen Nationalverständis Deutschlands und dessen noch nicht gefestigte Suche nach geeigneter Machtrepräsentation auch die Positionen der Jüdischen Gemeinde. Die Errichtung einer neuen Synagoge stand somit im Spannungsfeld verschiedener Interessen und Ziele.

Eine Untersuchung der städtebaulichen und typologischen Entwicklung der elf Berliner Gemeindesynagogen innerhalb des Untersuchungszeitraumes möchte diese „Strategien gebauter Akkulturation“ nachvollziehen. Gerade in Berlin mit seinen verschieden geprägten Vierteln sind die Auswirkungen der städtebaulichen Struktur auf die typologische Gestaltung der Synagogen nachvollziehbar. Bildeten sich in der deutschen Hauptstadt eigenständige Bautypologien heraus oder sind die Berliner Synagogen typologisch denen anderer Städte vergleichbar? Bestanden Wechselwirkungen in der Entwicklung des Synagogen- und Kirchenbaus und wie beeinflussten Synagogen ihr unmittelbares Wohnumfeld? Die Forschung möchte über verschiedene Fragestellungen und methodische Konzepte der typologischen und städtebaulichen Entwicklung der Berliner Gemeindesynagogen nachgehen und somit die Präsenz und das Selbstverständnis dieser heute überwiegend verlorenen Bauten im Berliner Stadtbild wieder nachvollziehbar machen.

Stüler Friedrich August (1800-1865), Neue Synagoge, Berlin: Schnitt durch die Apsis, Ausmalung der Altarwand. Tusche, Bleistift auf Papier, 82,50 x 59,50 cm (inkl. Scanrand). Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin Inv. Nr. 17279.
Stüler, Friedrich August (1800-1865), Neue Synagoge, Berlin: Schnitt durch die Apsis, Ausmalung der Altarwand. Tusche, Bleistift auf Papier, 82,50 x 59,50 cm (inkl. Scanrand). Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin Inv. Nr. 17279.